Ewigkeitssonntag für Mama

Ewigkeitssonntag

In diesem Jahr ist der Ewigkeitssonntag persönlich. Wir erinnern uns an meine Mama. Mit Bilder-Show, Schwelgen in Erinnerungen, Gebet und einer Kerze, die den ganzen Tag lang zur Erinnerung brennt. Das tut weh. Und das tut gut. Weil Ewigkeit eine wundervolle Perspektive ist.

Ewigkeitssonntag persönlich

Ewigkeitssonntag 2022. Vor gut sieben Monaten ist meine Mutter verstorben. „Von uns gegangen“, wie man so schön sagt. „Vorausgegangen“ bevorzuge ich, glaube ich. Beim dritten Anlauf war der Krebs stärker als sie, stärker als ihr Körper, so die einhellige Erklärung der Ärzte. Eigentlich stimmt das nicht so ganz. Es ist wahnsinnig schwer gefallen, zu gehen, das Leben loszulassen. Deswegen hat sie sich für eine weitere Chemotherapie-Variante entschieden, mit unsicherer Wirkung und gefährlichen Nebenwirkungen. Diese Therapie hat ihren Körper geschafft. Letztlich hat ihr Lebenswille zu einem schnelleren Tod geführt.

Tragisch irgendwie. Aber auch typisch Mama. Lieber das Leben auskosten, als über Konsequenzen nachdenken. Lieber noch einen Urlaub, „Weil ich das Meer einfach so liebe. Den muss ich einfach noch mal sehen.“ Lieber noch mal richtig gut essen, als sich um die nicht wirklich im Griff befindliche Diabetes zu kümmern, weil „italienisches Essen einfach am besten schmeckt.“ Lieber noch mal zu den Enkeln fahren und sich die Treppenstufen hoch-quälen, auch wenn die Kraft eigentlich nicht mehr reicht, weil ihr „Zeit mit den Enkeln einfach über alles geht“.

Sie ist dann mal weg

Im April 2022 musste sie also tatsächlich voraus gehen. Die Ärztin war weitsichtig und hat die Familie frühzeitig angerufen: „Es ist besser, sie verabschieden sich noch heute.“ Das haben wir getan. Ihr Lebensgefährte, meine Schwestern und ich – wir konnten alle noch einmal da sein und sie verabschieden. Das Personal hat uns einfühlsam viel Raum gelassen. Ihr Lebensgefährte und ich konnten bis zum Schluss dabei sein und ich durfte den Übergang begleiten. Einen Psalm lesen, ein Gebet und Segen zum Übergang sprechen. Was für ein Privileg.

Und dann war sie gegangen. Wie merkwürdig sich die Atmosphäre in einem Raum verändert, wenn ein Mensch diese Welt verlässt. Das erste Bild, das mir von meiner Mama und ihrem neuen Leben in den Sinn kam, war: „Jetzt trifft sie ihre Eltern und ihren Bruder wieder. Die hat sie so vermisst.“ Und das hat mich wahnsinnig gefreut für sie. Mit meinen Jungs habe ich das zweite Bild geteilt, das mir in den Sinn kam: „Für die Oma ist Himmel wie Urlaub in Italien. Auf der Terrasse sitzen, gutes Essen genießen, sich über die Sprache freuen, die sich so schön anhört (und sie jetzt endlich auch verstehen).“ Das fand Sohn 01 gleich schlüssig: „Ja, das ist schön für die Oma. Dann gehts ihr ja viel besser im Himmel, wenn sie da immer Urlaub machen kann. Und Gott ist dann ja auch noch da.“

Wie wunderbar, dass der Blick auf Gott und das Vertrauen darin, dass er es in diesem und im ewigen Leben einfach nur gut mit uns meint, auch in den traurigsten Momenten ein Lächeln und Freude schaffen kann.

Trauer dauert

Ich bin so der Typ fürs Hochemotionale mit vielen Tränen etc. Und gleich zu Beginn war ja auch viel zu Bedenken und zu tun. Aber Trauer sucht sich Wege – und das ist auch gut so. Wie oft habe ich seitdem zwischendurch bei schönen Erlebnissen mit den Jungs gedacht: „Ich muss die Mama anrufen und ihr das erzählen!“ Gefolgt von einem Moment der Trauer – und zurückliegenden Telefonaten, in denen sie sich über Fortschritte von Sohne 02 gefreut, mit Sohn 01 über Dinos gefachsimpelt hat und vieles mehr.

An meinem Geburtstag im Oktober hat es mich etwas unvorbereitet erwischt. Seit ich nicht mehr zu Hause wohne, also seit über 20 Jahren, war meine Mutter immer die erste, die frühmorgens zu meinem Geburtstag angerufen hat. Jedes Jahr. Und irgendwie bin ich mit diesem Gefühl auch dieses Jahr aufgewacht, dass Mama anrufen wird, noch bevor ich gefrühstückt habe … das hat für den ein oder anderen Trauer-Moment an diesem Tag gesorgt. Aber auch für einiges an Freude, wie wichtig es ihr immer war, die Erste zu sein und wie schön ich das immer fand.

Heute, am Ewigkeitssonntag trauern wir bewusst. Zelebrieren das Vermissen und schwelgen in erinnernden Gesachichten.

Jetzt bin ich gespannt auf die Advents- und Weihnachtszeit. Wenn meine Mutter etwas ähnlich viel geliebt hat, wie Urlaub, dann war es Weihnachten. Ich habe einige Deko-Gegenstände von ihr geerbt … das wird sicher hart werden und viele schön Erinnerungen ins Gedächtnis rufen.

Trauer ist Teil meines und unseres Lebens und sie hat das Recht sich hier und da Gehör zu verschaffen.

Urlaubshilfe aus dem Jenseits

Ein echt besonderer Erinnerungsmoment war . wie könnte es anders sein – ein Urlaub. Sommerurlaub 2022. Im Erzgebirge. Mitten drin gibt unser Auto den Geist auf und will gar nichts mehr tun. Der herbeigeeilte gelbe Engel kann den Schaden zwar richten, aber das Geld, das er dafür aufruft, haben wir eigentlich nicht. Eigentlich haben wir das nicht nur eigentlich nicht.

Ich telefoniere mit meinem Vater, seines Zeichens EX-KFZ-Meister, um abzuschätzen, ob der Preis realistisch ist und ob da vielleicht noch Folge kosten zu Hause auf uns zukommen könnten. Der ADAC-Preis ist erwartungsgemäß angemessen. Und es hilft ja eh nix. Während der Motor-Raum unseres Autos auseinandergenommen wird, ruft mein Vater nochW mal an. „Hier, ich hab grad noch mal nachgedacht. Ich nehme an, dass aus dem Nachlass deiner Mutter ein bisschen was übrig bleiben wird. Die Reparatur jetzt, die ist da sicher drin. Ich überweise dir das Geld, OK?“

Abseits von einem großen Felsbrocken, der mir vom Herz fällt, blitzt ein Gedanke in meinem Gedanken auf: „Jetzt hat die Mama uns, quasi postmodern, den Urlaub gerettet. Das passt zu ihr. Und ich bin mir sicher, dass sie sich darüber geradezu diebisch gefreut hätte.“

Ich mag es, wenn mein Herz zu einem guten Teil mit echt guten Erinnerungen an Menschen ist, die mir wichtig sind (auch über ihren Tod hinaus).

Ewigkeit ist eine gute Perspektive

Wie hilfreich die Perspektive Ewigkeit ist. Und das Wissen um einen Gott, der die Liebe ist und der uns nie allein lässt. Auch in den dunkelsten Stunden nicht. So verliert Trauer ihren Schrecken und wird zu einem Teil des Lebens. Der dem Vermissen Raum gibt und zum Erinnerungen-Teilen einlädt.

Wie tröstlich die Perspektive Ewigkeit ist. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Es geht weiter und das für immer. Ohne Ende Leben bei Gott. Und vielleicht sehe ich da wirklich alle Menschen wieder, die mir wichtig sind? Eine schöne Hoffnung ist das mindestens. So verliert der Tod seinen letztgültigen Schrecken. Er mischt sich mit der Ahnung vor von Vorfreude auf Ewigkeit mit Gott.

Wie erdend die Perspektive Ewigkeit ist. Im Erinnern an alle die, die schon vorausgegangen sind, wird deutlich: auch mein Leben auf der Erde ist endlich. Und damit auch die Zeit mit all meinen Lieben. So verliert das Leben seine Härte und die Frage nimmt sich Raum in mir: „Wie will ich mein Leben so gestalten, dass es ein gutes Leben ist? Egal, wie lange es noch dauern mag.“

Wie gut, dass wir so einen Ewigkeitssonntag haben.

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