Gott liebt genau dich!

Gott liebt dich

Sprache verändert. Wie reden wir eigentlich miteinander und den Kids und Jugendlichen, mit denen wir zu tun haben? Bauen unsere Worte Persönlichkeiten auf oder werten wir Menschen ab? Entspricht das, was wir zu Kindern und Jugendlichen sagen, dem, wie Gott diese Kids sieht? Mit welchen ernst gemeinten Sätzen können wir Kindern und Jugendlichen wirklich guttun und sie positiv prägen?
Heike Brandls Blogparade beschäftigt sich mit diesen Fragen – dies ist mein Beitrag dazu.

Ein ganz normaler Tag in der Kinderfreizeiteinrichtung

Jeden Tag strömen um die Mittagszeit um die 80 bis 90 Kinder aus benachteiligten Familien in die offene Kinderfreizeiteinrichtung, die ich einige Jahre leiten durfte. Überall Gewusel, laute Stimmen und Lachen. Geschichten aus der Schule und von zu Hause fliegen den Mitarbeiter:innen nur so entgegen. Die meisten Kinder machen sich direkt auf zur Essensausgabe. Das Mittagessen ist für viele die erste Mahlzeit an diesem Tag. Dann Hausaufgaben, Spielen, Rennen, Ausprobieren und – heute ist ein besonderer Tag – dann ist Kinderparty für alle.

Kinderparty, das ist ein wildes Programm mit Liedern, Spielen, Wettbewerben, viel Bewegung, Spannung, Lachen und einer Geschichte. Manchmal als Theater, manchmal mit Bildern, als Film o. ä. Dabei geht es immer um die Frage: Wie kann ich gut leben? Wie kann ich echte Beziehungen erleben – zu mir, zu anderen, zur Welt und zu Gott. Heute geht es um eine Geschichte aus der Bibel und darum, wie Gott seine Menschen eigentlich so findet.

Heiko, du lügst!

Am Ende der Kinderparty verlassen viele glückliche Kinder den Saal und gehen kurz danach nach Hause. Im Normalfall verabschieden einige Mitarbeiter:innen noch die Kids und andere beginnen schon mit dem Aufräumen. Ich komme heute zu nichts davon, denn auf dem Weg zur Tür stellt sich mir eine etwa 8-jähriges Mädchen in den Weg und verschränkt die Arme. Sie schaut mich ernst an und sagt, bevor ich fragen kann, was sie möchte: „Heiko, du lügst!“ Ich bin mir keiner Schuld bewusst, aber alarmiert, was ich wohl gesagt haben könnte, das dieses Mädchen (und vielleicht ja auch noch andere Kinder) in den falschen Hals bekommen haben könnten.

„Du hast gesagt, dass Gott alle Kinder genauso liebt, wie sie sind und das richtig gut ist, dass wir da sind!“ „Ja“, stimme ich erleichtert zu, „das habe ich tatsächlich gesagt. Und das habe ich genauso gemeint. Das ist doch keine Lüge.“ „Doch“, platzt es aus dem Mädchen heraus. „Meine Mutter sagt immer, sie hätte mich besser abgetrieben. Sie findet es gar nicht gut, dass ich da bin. Mich liebt überhaupt keiner!“ Sprache verändert.

Jede/r möchte geliebt werden

Das hat gesessen. Ich brauche einen Moment, um mich zu fassen, den Ärger über die Mutter herunterzuschlucken und die aufsteigenden Tränen im Zaum zu halten. Ich knie mich auf Augenhöhe hin und sage: „Ganz schön viele Sachen weiß ich nicht so genau. Z. B. warum deine Mama so etwas sagt. Aber ich weiß zwei Sachen ganz, ganz sicher. Ich weiß, dass Gott dich ziemlich dolle lieb hat und sich tierisch freut, wenn er sieht, wie du rennst, malst, spielst und so wunderbar ansteckend lachst. Gott findet dich super. Und was ich noch sicher weiß: Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier, wir mögen dich auch ganz schön viel. Wir freuen uns jedes Mal, wenn du hier bist. Du bist ein richtig tolles Mädchen. Wir würden dich sehr vermissen, wenn du nicht mehr kommen würdest.“

Das Gesicht des Mädchens hat sich nicht verändert. Es schaut weiter sehr ernst. „Meinst du wirklich?“, fragt sie bedächtig. „Das ist kein Scherz?“ Nachdem ich ihr versichert habe, dass ich bei so einem wichtigen Thema keine Späße mache, hellt sich ihr Gesicht auf. Schon fast grinsend, sagt sie: „Dann ist ja gut. Dann glaube ich dir das. Und weißt du was? Ich mag dich auch Heiko. Und die anderen Mitarbeiterinnen. Aber dich am meisten. Weil du so schöne Sachen sagst. Und den Gott, den irgendwie auch.“ Damit dreht sie sich um und hüpft davon. Sprache verändert.

Gott findet dich super

Ich durfte schon so viele Kinder auf christlichen Freizeiten, in Gruppenstunden von Gemeinden, in der Kinderfreizeiteinrichtung etc. ein Stück begleiten. Unzählige Male habe ich ähnliche Sätze zugesprochen, wie zu dem Mädchen nach der Kinderparty. Und ich habe so so so oft erlebt, wie sich Gesichter aufhellten, Augen leuchteten und ganze Lastenberge von Kinderseelen abfielen, als sie hörten und annehmen konnten: „Gott findet dich super. So wie du bist. Er hat dich lieb. Einfach so. Und ich mag dich übrigens auch.“

Was für ein Gegenpol zu Ablehnung, Leistungsdruck und Unsicherheit. Was für eine Entlastung und ein Zuspruch sich wohl mit sich selbst, am richtigen Platz und angenommen zu fühlen. Das brauchen Kinder (und Erwachsene auch) immer wieder. Und mindestens dreimal häufiger, als wir denken. Wie viele Geschichten könnte ich erzählen, was dieser Satz (samt entsprechendem Verhalten) bei Kindern bewirkt. Entgegen aller Umstände, die das Gegenteil zu sagen scheinen. Sprache verändert.

  • Wie kann es in der Kultur Deiner Kinder- oder Jugendgruppe implementiert werden, dass Kindern und Jugendlichen regelmäßig gesagt und gezeigt wird: „Gott findet dich super! Und wir sind ebenfalls Fans“?
  • Welche Werte drücken diese Überzeugung aus und sollen für Euch handlungsleitend werden?
  • Welche Themen, biblischen Geschichten etc. sollen deswegen bei Euch regelmäßig vorkommen?
  • Gibt es Rituale, die sich zu diesem Zweck anbieten? Segen z. B.
  • Könnt Ihr Menschen einladen und erzählen lassen, die diese Wahrheit erlebt haben und heute verkörpern?
  • Wie werden Kids bei euch so richtig stark?

Sprache verändert: Worte, die Leben prägen

Meine Zeit in der Kinderfreizeiteinrichtung liegt schon so einige Jahre zurück. Vor Kurzem schrieb mir ein Student, den ich erst auf den zweiten Blick als Besucher unserer Kinderfreizeiteinrichtung als Kind erkenne. Seine Ausgangsbedingungen waren alles andere als gut und die Prognosen ebenso wenig. Jetzt studiert er, hat eine Perspektive und findet mich bei Social Media. Er schreibt:

… mich bedanken, dass du in der Kinderfreizeiteinrichtung meine Kindheit bereichert hast. Danke, dass du an mich geglaubt hast. Danke, dass du davon überzeugt warst, dass aus mir etwas werden kann, auch wenn alle anderen gesagt haben: „Aus dem wird eh nix.“ Manchmal habe ich selber gedacht, dass ich so leben muss, wie die Leute in unserem Haus. Dass ich nichts Besseres verdient habe. Aber du hast immer gesagt: „Gott macht keine unnützen Leute. Aus dir kann alles werden, was du willst.“ Danke, dass ich in der Zeit Kind sein durfte.

Sprache verändert. Wir können das Leben von Kindern und Jugendlichen positiv prägen. Unsere Worte (und Taten) können ganz viel Gutes in ihr Leben hinein lieben. Lets go!


Photo by Jéssica Oliveira on Unsplash

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