Was Kinder stark macht

Starke Kinder

Wer mit Kindern zu tun hat, hat mindestens den einen Wunsch: starke Kinder. Den Kids ein starkes Selbstwertgefühl mit auf den Weg geben. Für all die Herausforderungen des Lebens. Aber wie? Geht das überhaupt?
Wiebke Schomaker geht dieser Frage in einer Blogparade nach. Dies ist mein Beitrag dazu.

Ich bin schon groß!

Als Sohn 01 fünf Jahre wurde, war er von dieser Tatsache Monate lang sehr begeistert. Deswegen erzählte er davon auch eigentlich jedem, den das (nicht) interessiert – meistens verbunden mit einer Fähigkeit:

  • „Ich kann schon so schnell rennen. Ich bin ja auch schon fünf.“
  • „Ich kann einen ganzen Becher Saft auf einmal trinken, seit ich fünf bin.“
  • „Papa, ich bin ganz schön gewachsen, oder? Aber so groß muss man ja auch sein, wenn man fünf ist!“

Allein diese Zahl fünf und die dem Anlass würdige Geburtstagsfeier haben anscheinend Kräfte und Fähigkeiten hervorgebracht, die einfach unglaublich sind. Deswegen werden sie auch „in einer Tour“ gerühmt und besungen. 

Wie werden Kinder eigentlich stark?

Was genau ist das eigentlich, was Kinder stark macht? Was hilft ihnen,

  • mit dem Leben und seinen Herausforderungen gut klarzukommen?
  • selbstbewusst zu sein, zu wissen und benennen zu können, was sie brauchen und sich wünschen?

Wenn ich mir diese Frage mit Blick auf meine Jungs anschaue, produziert das eigentlich erst einmal nur noch mehr Fragen:

  • Auf welche Welt soll ich meine Kinder eigentlich vorbereiten? Es verändert sich so viel, so schnell – wer weiß schon, was genau die Jungs in der Welt von morgen brauchen werden?
  • Aber auch, wenn die Welt sich gemächlicher drehen sollte – auf welchen Lebensentwurf hin will ich meine Kinder vorbereiten? Sollen sie irgendwie so leben können, wie ihre Eltern? Oder besser und was heißt das dann?
  • Und was, wenn ihr Leben noch mal ganz anders verläuft? Was brauchen sie dann? … 

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mit Blick auf Fähigkeiten etc. keine wirkliche Ahnung, was ich meinen Kindern beibringen kann, wohin ich sie genau fördern soll o. ä., um sicher zu sein, dass sie das stark und zukunftsfähig macht.

Wie blickt Gott auf Kinder?

Wie immer, wenn ich so gar nicht weiterweiß, hilf mir ein Blick auf Gott. Gott scheint da weder große Fragen, noch Berührungsängste zu haben. Im Gegenteil: Gott traut Kindern unglaubliches zu und bewirkt mit ihnen Veränderung, bzw. setzt er mit ihnen seinen Willen um.

Und dieser Jesus wird es sein, der Kinder ebenfalls ungewöhnlich wichtig nimmt: „Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht daran. Denn solchen gehört das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.“ (Mk 10,13-16) Ist das nicht eine heftige Aussage? Gott scheint ein sehr besonderes Verhältnis zu Kindern zu haben, wenn er ihnen das Reich Gottes so zuspricht und Kinder für uns Erwachsene als leuchtendes Beispiel darstellt!
Gleichzeitig wird ziemlich deutlich, dass Jesus richtiggehend stinkig wird, wenn Erwachsene Kinder „falsch“, sprich herablassend, unterschätzend, als unwichtig …, behandeln.

Kinder sind so was von stark – und so dürfen wir sie auch behandeln

Das bedeutet für mich: Wenn Kinder bei Gott besonders wichtig sind, wenn Gott sie sogar für große, wichtige und schwierige Aufgaben in seinem Reich einsetzt, wenn Jesus die Kinder mindestens in Glaubensfragen sogar zum Vorbild für uns Erwachsene erhebt – dann sind Kinder in Gottes Augen an sich und einfach so schon ziemlich starke Persönlichkeiten! 

Der erste Blick auf Kinder darf für uns deswegen immer der durch Gottes Brille sein. Wertschätzend, liebevoll, die Gaben, Fähigkeiten und die Persönlichkeit des Kindes sehend, beachtend und bewundernd. Ich würde zuspitzend sogar sagen: Jede Gemeinde, in der es Kinder gibt, darf sich sicher sein: Diese Kinder sind ein Geschenk Gottes an die Gemeinde!

Aber wenn Kinder bei Jesus und im Reich Gottes so wichtig sind, dann sollen wir natürlich nicht nur werden wie die Kinder und sie als Geschenk annehmen. Dann sollen wir uns auch um ihr Wohl besonders kümmern. Und das auf allen Ebenen: körperlich, geistig, emotional und geistlich. All das gehört zusammen, wenn Kinder den Segen erfahren und weitergeben sollen, den Jesus für sie bereithält.

Was es dazu angesichts ungewisser Zukunft und vielfältigster anderer Einflüsse in unserer Zeit braucht, ist m. E. folgendes: Helfen wir jedem Kind, seinen ihm eigenen Wert zu entdecken. Bieten wir ihm Erfahrungsräume, in dem es erleben kann: Ich bin geliebt und ich bin gut, genauso wie ich bin. Das darf unser „Job“ sein in Gemeinde und Familie, genauso wie in KiTa, Schule etc. 

Dabei geht es nicht darum, Kinder beständig für irgendetwas zu loben (und damit bestimmte „Leistungen“ zu betonen). Ebenso wenig benötigt das Kind eine permanente Bestätigung im Sinne von Aussagen, wie: „Du bist toll!“, „Du bist stark!“, etc. (weil hier letztlich wieder bestimmte Eigenschaften/ Leistungen hervorgehoben werden).
Vielmehr geht es darum, das Kind zu begleiten, es wirklich kennenzulernen. Z. B. herauszufinden, was dieses Kind wirklich gerne macht und gut kann – und es dann genau das tun zu lassen (und dabei zu erleben, dass es etwas kann, etwas bewegt und mit der Zeit auch noch besser wird darin). Nehmen wir auch die Dinge an, die uns irgendwie widerstreben: andere Neigungen, Hobbys etc. Und bestärken es darin, dass es so, wie es ist, gut ist. Dann dürfen Schwächen auch solche bleiben und Stärken bauen sich aus. 

Nimmt ein Kind selbst eine Schwäche als solche wahr und möchte daran arbeiten, können wir es liebevoll begleiten. 

Starke Kinder, starke Gemeinde, starke Gesellschaft

Erzählen wir begeistert davon, dass Gott jedes Kind lieb hat und schaffen wir einen Rahmen, in dem Kinder das in unserer Familie, in unserer Gruppenstunde und Gemeinde wirklich erleben können, dass Gott JA sagt zu jedem Kind, sie schon ganz viel sind und können und uns Erwachsenen in vielerlei Hinsicht Vorbild sein können. 

Leben wir unseren Glauben fröhlich und ehrlich vor, handeln wir authentisch nach unseren christlichen Werten und lassen die Kinder an den Hintergründen teilhaben. Warum ist es uns als Christen wichtig, dass nicht über „Ausländer“ pauschal geschimpft wird? Wieso kümmern sich Christen um die Schöpfung und handeln deshalb z. B. müllvermeidend? Warum kümmern sich Christen besonders gut und gerne um Arme, Kranke etc.? 

So können und werden Kinder ein gutes Gefühl für sich und andere entwickeln, ohne dass wir das speziell lehren oder einfordern müssten. Eher im Gegenteil: Je eigenständiger ich Kinder sein lasse, je mehr Akzeptanz ich ihnen als Person entgegenbringe – Je mehr sie sich selber auf der Grundlage unserer gezeigten und erlebten Werte ausprobieren können, desto eher werden sie selbstbewusst. Desto eher werden sie stark – als Persönlichkeit, als Mensch, als Freund:in von Jesus – für ihr ganzes Leben. 

Das höchste Ziel unserer Arbeit mit Kindern in der Gemeinde ist nicht, Kinder zu beschützen, ihnen biblische Geschichten zu erzählen (oder gar den Eltern einen entspannten Gottesdienst zu ermöglichen). Das höchste Ziel ist, ein Umfeld zu schaffen, das Kinder unterstützt, nährt und feiert. Das Kinder mit Gottes Brille sieht, sie liebt, achtet und dadurch motiviert, einer zerbrochenen Welt Gottes Liebe zu zeigen.

Unsere Gesellschaft, unsere Städte, Gemeinden und Familien brauchen solche starken Kinder (und Erwachsene)!

2 Kommentare

  1. Lieber Heiko, vielen Dank, dass du einen Beitrag zur Blogparade geschrieben hast! Ich finde es klasse und spannend zu lesen, dass du das Thema „Selbstwertgefühl von Kindern stärken“ erstmal aus dem Blickwinkel von Gott her betrachtest. Dass er Kinder ernst nimmt und ihnen viel zutraut. Und wir Erwachsene das auch tun sollten.
    Die Sätze deines Sohnes kommen mir übrigens bekannt vor: Unser Jüngster ist gerade 5 Jahre alt geworden… 😉
    Ganz herzliche Grüße, Wiebke

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